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Blockiergebühr an der Ladesäule 2026: Was sie kostet, wann sie greift und wie du sie vermeidest

Stand der Angaben: 11.10.2026. Die Betreiberwerte stammen aus einer AUTO-BILD-Übersicht (Tabellenstand 22.10.2025) und einem Blogvergleich (zuletzt aktualisiert 25.09.2026); das Gerichtsurteil ist von 2024. Tarifbedingungen ändern sich häufig – maßgeblich sind immer die Bedingungen in der App deines Anbieters. Dieser Artikel ist keine Rechtsberatung.

Du hast fertig geladen, sitzt noch im Café oder im Supermarkt – und der Akku-Ladestand im Auto steht längst auf 100 Prozent. Genau in dieser Zeit läuft bei vielen Anbietern eine Uhr: die Blockiergebühr (auch Standzeitgebühr oder Überschreitungsgebühr genannt). Sie soll verhindern, dass Ladepunkte, die für andere gebraucht werden, dauerhaft belegt bleiben. Für Fahrer ist sie vor allem eines: eine Kostenposition, die man leicht übersieht, weil sie weder im Kilowattstundenpreis noch in der Tarifübersicht auf den ersten Blick auftaucht.

Dieser Artikel erklärt, wie die Gebühr funktioniert, welche Beträge verschiedene Anbieter laut veröffentlichten Übersichten verlangen, was ein Amtsgericht dazu entschieden hat, wie sich die Gebühr vom Verwarngeld fürs Falschparken unterscheidet und wie du sie im Alltag vermeidest. Eine kurze Einordnung zu Ladeetikette allgemein findest du im Artikel Ladesäulen-Etikette; die Gebühr als Teil der Gesamtkosten betrachtet Autostrom-Tarife unterwegs.

Was die Blockiergebühr ist – und was nicht

Die Blockiergebühr ist ein privatrechtliches Entgelt, das der Ladeanbieter nach den Vertragsbedingungen erhebt. Sie wird meist pro Minute berechnet und setzt erst ein, nachdem eine Freizeit abgelaufen ist – bei vielen Anbietern gemessen ab Beginn der Ladesitzung (die „Anschlusszeit“), bei manchen ab Ladeende. Je nach Anbieter unterscheidet sich die Freizeit für Normalladen (AC) und Schnellladen (DC) deutlich, und oft gibt es eine Obergrenze pro Ladevorgang.

Nicht zu verwechseln ist sie mit dem Verwarngeld der Ordnungsbehörde. Wer einen E-Parkplatz ohne Berechtigung belegt oder dort parkt, ohne zu laden, riskiert laut einer Übersicht von emobility.energy (Quellenabruf 06.08.2026) ein Verwarngeld von 55 Euro; bei Überschreitung der erlaubten Parkzeit für berechtigte E-Fahrzeuge nennt dieselbe Übersicht 20 bis 40 Euro. In Städten wie Hamburg werden unberechtigt parkende Fahrzeuge laut dieser Quelle teils abgeschleppt, was „mehrere Hundert Euro“ kosten kann. Das alles ist unabhängig von der Blockiergebühr: Das eine bezahlst du an den Staat, das andere an den Betreiber – und beides kann gleichzeitig anfallen.

Wie viel kostet es? Beträge nach Anbieter

Die Spannbreite ist groß. Die folgende Tabelle gibt Werte aus der AUTO-BILD-Übersicht „Blockiergebühren beim Elektroauto-Laden“ wieder (veröffentlicht 24.10.2025, Tabellenstand 22.10.2025). Seitdem können sich Bedingungen geändert haben – die Tabelle zeigt die Größenordnungen, nicht die heute gültigen Preise:

AnbieterGebühr pro MinuteAb wannDeckel
EnBW10 ct (alle Tarife)nach 240 Min.12 €
EWE Go10 ct an Partnerstationen, keine an eigenennach 240 Min.nicht angegeben
Maingau Autostrom10 ctAC 180 Min. / DC 60 Min.12 €
Hamburger Energiewerke5 ct, nur tagsüber (6–20 Uhr)AC 181 Min. / DC 61 Min.18 €
Berliner Stadtwerke2 ctAC 240 Min. / DC 120 Min.20 €
BMW Charging6 ct90 Min. (je nach Standort)nicht angegeben
Allego (nur HPC)24,6 ct („Überschreitungsgebühr“)nach 45 Min.nicht angegeben
Tesla (Supercharger)50 ct bei mind. 50 % Auslastung, 1 € bei 100 %nach 5 Min.laut Artikel keine Obergrenze
Ionitykeine––

Ein aktuellerer Blogvergleich (emobilitaetblog.de, zuletzt aktualisiert am 25.09.2026) nennt für EnBW mobility+ und ADAC e-Charge zusätzlich beim Schnellladen 10 Cent pro Minute nach 45 bis 60 Minuten und für EWE Go einen Deckel von 24 € pro Ladevorgang; die Spanne über alle Anbieter beziffert er mit 5 bis 50 Cent pro Minute. Da dieser Vergleich zum Teil auf Sekundärquellen beruht, ist er als Orientierung zu verstehen.

Zwei Muster fallen auf. Erstens sind die Freizeiten beim Normalladen großzügig (meist drei bis vier Stunden), beim Schnellladen dagegen kurz (45 bis 60 Minuten oder weniger). Zweitens unterscheiden sich viele Anbieter zwischen eigenen Stationen und Fremdstationen: Die AUTO-BILD-Tabelle führt für ADAC e-Charge und Aral pulse 15 Cent pro Minute an Fremdstationen auf, an eigenen Aral-pulse-Stationen dagegen keine Gebühr. Wer mit einer Roaming-Karte lädt, sollte deshalb nicht nur auf die Betreiberanzeige schauen, sondern auch in die Bedingungen der Karte.

Was das konkret kostet: Rechenbeispiele

Die folgenden Beispiele rechnen ausschließlich mit den oben genannten Werten (Stand der Tabelle beachten):

SituationRechnungKosten
EnBW, 30 Minuten über die Freizeit (nach 240 Min.)30 × 0,10 €3,00 €
EnBW, Deckel erreicht12 € ÷ 0,10 € = 120 Min.12,00 € (nach insgesamt 6 Std.)
Hamburger Energiewerke, 30 Minuten über die Freizeit (tagsüber, AC)30 × 0,05 €1,50 €
Tesla, 20 Minuten Gebührenzeit bei 50 % Auslastung20 × 0,50 €10,00 €
Tesla, 20 Minuten Gebührenzeit bei 100 % Auslastung20 × 1,00 €20,00 €
Allego (HPC), 15 Minuten über die Freizeit15 × 0,246 €3,69 €

Man sieht: Beim Normalladen sind die Beträge moderat und meist gedeckelt; beim Schnellladen und vor allem bei staffelnden Modellen wie dem von Tesla kann dieselbe „kurze Verspätung“ ein Vielfaches kosten. Das ist auch logisch begründet – ein Schnelllader mit hoher Auslastung verliert pro Minute Belegung mehr Durchsatz als eine Wallbox am Straßenrand.

💶 Von Fahrern gemeldete Preise und Blockiergebühren – wo vorhanden

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Was ein Gericht dazu sagt: AG Karlsruhe, 6 C 184/23

Ob solche Gebühren zulässig sind, hat das Amtsgericht Karlsruhe in einem Urteil vom 4. Januar 2024 (Aktenzeichen 6 C 184/23) entschieden. Ein Elektroauto-Fahrer hatte von EnBW Blockiergebühren in Höhe von insgesamt 19,80 Euro zurückverlangt, die im März 2022 an drei Terminen angefallen waren; er lud über den Tarif „ADAC e-Charge“, den der ADAC gemeinsam mit EnBW anbietet. Die Gebühr greift nach mehr als 240 Minuten Standzeit und beträgt laut electrive.net 10 Cent pro Minute, maximal 12 Euro (die Pressemitteilung des Gerichts nannte 12 Cent; electrive weist in einer Redaktionsanmerkung auf 10 Cent hin. Zum Deckel unterscheiden sich die Quellen: electrive spricht von „pro Ladevorgang“, beck-aktuell von „pro Tag“).

Das Gericht wies die Klage ab. Begründung: Der Betreiber habe ein berechtigtes Interesse daran, den Ladepunkt zügig für andere Kunden verfügbar zu machen. Die Gebühr sei sowohl beim Vertragsschluss als auch zu Beginn des Ladevorgangs mitgeteilt worden, und der Kläger habe den Bedingungen in der App zugestimmt. Die Entscheidung ist rechtskräftig.

Wichtig für die Einordnung: Es handelt sich um die Entscheidung eines einzelnen Amtsgerichts zu einer konkreten Klausel mit einer Freizeit von vier Stunden. Sie ist kein Freibrief für jede denkbare Gebührenhöhe oder -struktur; ob eine Gebühr in einem anderen Fall angemessen ist, hängt von den Umständen ab. Das Urteil zeigt aber die Linie: transparent mitgeteilte, zeitlich nachvollziehbare Gebühren sind grundsätzlich möglich.

Politik: Nachtgebühren sollen verboten werden – noch gilt das nicht

Nach den Angaben von AUTO BILD hat das Bundesverkehrsministerium im „Masterplan Ladeinfrastruktur“ vorgeschlagen, Blockiergebühren zur Nachtzeit (22 bis 8 Uhr) an normalen Ladepunkten zu verbieten und Gebühren erst nach Ende des Ladevorgangs zu erheben. Dafür wäre laut AUTO BILD eine Änderung der EU-Verordnung AFIR nötig; es handelt sich bislang um einen Vorschlag, nicht um geltendes Recht. Einzelne Anbieter haben schon reagiert: Die Berliner Stadtwerke erheben laut AUTO BILD seit dem 1. Juli 2025 zwischen 22 und 6 Uhr keine Gebühr mehr, und für das Netz Ladeverbundplus in Nordbayern nennt die Übersicht kostenloses Stehen zwischen 22 und 8 Uhr. Wer nachts lädt, sollte sich trotzdem nicht darauf verlassen – prüfe die Nachtklausel deines Anbieters.

So vermeidest du die Gebühr

1. Vor dem Start die Bedingungen lesen. Laut dem Karlsruher Urteil wird die Gebühr in der App beim Vertragsschluss und beim Start angezeigt. Ein kurzer Blick auf Freizeit und Deckel kostet zehn Sekunden.

2. Ladeende-Erinnerung nutzen. Viele Fahrzeug- und Anbieter-Apps können benachrichtigen, wenn der Ladevorgang endet. Stelle zusätzlich einen Timer auf die Freizeit minus 15 Minuten, wenn du länger weg bist.

3. Auf Schnellladern kurz halten. Dort ist die Freizeit am knappsten und der Minutenpreis am höchsten. Wer einkauft oder isst, steckt besser an einem Normalladepunkt an, wo die Freizeit deutlich länger ist – das ist auch der Grundgedanke hinter unserem Artikel zur sinnvollen Ladepause.

4. Bei Roaming die Karte prüfen. Wie die Beispiele ADAC e-Charge und Aral pulse zeigen, kann dieselbe Karte an eigenen und an Fremdstationen unterschiedlich abrechnen. Wie Karten und Betreiber zusammenspielen, erklärt Ladekarten-Roaming erklärt.

5. Anbieter ohne Gebühr als Alternative kennen. Laut AUTO BILD erheben unter anderem Ionity, Jet und die Münchener Stadtwerke keine Blockiergebühr – Stand der Tabelle beachten.

Blockiergebühr in Elunio

In Elunio können Fahrer beim Melden eines Preises optional auch eine Blockiergebühr in Cent pro Minute angeben (0 = keine). Wo solche Meldungen vorliegen, zeigt der Preis-Tab sie als „Blockiergebühr (Community)“ an. Das ersetzt nicht die Bedingungen des Anbieters – es ist eine Rückmeldung anderer Fahrer, die an der Station tatsächlich waren. Die Datenlage ist in Baden-Württemberg und der DACH-Region am dichtesten; anderswo gibt es weniger Meldungen, und eine lückenlose Abdeckung kann Elunio nicht versprechen. Warum gemeldete Preise oft aussagekräftiger sind als Listenpreise, steht im Artikel Community-Preise vs. Listenpreise.

Häufig gestellte Fragen

Ab wann zahlt man eine Blockiergebühr?
Das regelt jeder Anbieter selbst. Beim Normalladen liegt die Freizeit laut der AUTO-BILD-Übersicht oft bei drei bis vier Stunden, beim Schnellladen häufig bei 45 bis 60 Minuten; Tesla beginnt mit der Gebühr nach 5 Minuten, wenn der Supercharger stark ausgelastet ist.

Sind Blockiergebühren rechtlich zulässig?
Das Amtsgericht Karlsruhe hat eine EnBW-Klausel (Urteil vom 04.01.2024, Az. 6 C 184/23) als wirksam angesehen. Das ist eine Einzelfallentscheidung; im Zweifel hilft die Verbraucherzentrale oder eine Rechtsberatung.

Was ist der Unterschied zwischen Blockiergebühr und Knöllchen?
Die Blockiergebühr ist ein Entgelt des Betreibers. Das Verwarngeld (laut emobility.energy 55 € für unberechtigtes Parken auf einem E-Parkplatz) kommt von der Ordnungsbehörde. Beides kann zusammen auftreten.

Gibt es eine Nachtregelung?
Es gibt einen Vorschlag des Bundesverkehrsministeriums, nächtliche Gebühren zu verbieten, aber laut AUTO BILD noch keine gesetzliche Regelung. Einige Anbieter verzichten freiwillig nachts auf die Gebühr.

Fazit

Die Blockiergebühr ist kein Aufschlag auf den Strom, sondern eine Gebühr fürs Belegen. Beim Normalladen ist sie meist mild und gedeckelt, beim Schnellladen kann sie schnell mehr kosten als die Energie selbst. Wer vor dem Start Freizeit und Deckel kennt, ein Ladeende-Signal aktiviert und den Schnelllader nur für das Laden nutzt, zahlt sie praktisch nie.

Quellen: AUTO BILD – „Blockiergebühren beim Elektroauto-Laden“ (24.10.2025, Tabellenstand 22.10.2025), autobild.de · electrive.net – „Amtsgericht Karlsruhe: EnBW-Blockiergebühren sind rechtmäßig“ (25.01.2024) · beck-aktuell – „Wer zu lang parkt, zahlt Blockiergebühr“ (05.03.2024) · emobility.energy – „Parken an Ladesäulen: Regeln, Verwarngelder & Blockiergebühren im Jahr 2026“ (abgerufen 06.08.2026) · emobilitaetblog.de – „Blockiergebühren Ladesäule 2026“ (zuletzt aktualisiert 25.09.2026)

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