Elunio vs. Chargeprice: Listenpreise je Tarif oder echte Community-Preise? Zwei Apps, zwei Fragen
📅 Veröffentlicht am 6. Oktober 2026
Stand der Angaben: 06.10.2026. Grundlage sind die Store-Einträge von Chargeprice im App Store und bei Google Play (abgerufen am 06.10.2026), die Fastned-Preismeldung von electrive.net sowie der aktuelle Funktionsstand von Elunio. Preise und Funktionen beider Apps können sich ändern; Chargeprice ist ein unabhängiges Produkt, wir sind weder verbunden noch verglichen worden.
Wer ein E-Auto fährt, stellt beim Laden unterwegs zwei verschiedene Fragen: „Was würde mich dieser Ladevorgang mit meinem Vertrag kosten?" und „Was haben andere hier tatsächlich bezahlt?" Chargeprice und Elunio beantworten jeweils eine dieser Fragen besonders gut. Deshalb sind sie weniger Konkurrenten als zwei Werkzeuge für unterschiedliche Momente. Dieser Artikel zeigt, was die beiden Apps nach unserem Kenntnisstand heute können, wo ihre Grenzen liegen und wie man sie sinnvoll kombiniert.
Das Wichtigste in Kürze
- Chargeprice ist auf den Tarifvergleich spezialisiert: Die App stellt je Ladesäule die Preise verschiedener Ladekarten und Tarife gegenüber und lässt sich nach den eigenen Zahlungskarten filtern.
- Elunio zeigt neben dem Listenpreis den Preis, den Fahrer an der Station tatsächlich gemeldet haben – als Durchschnitt mit Angabe, wie alt die Meldungen sind. Einen Live-Tarifvergleich je Ladekarte bietet Elunio bewusst nicht.
- Unterschiedliche Datengrundlage: Tarifdaten sind Preise laut Vertrag oder Preisliste, Community-Meldungen sind Preise aus der Praxis. Beide Sichten können voneinander abweichen.
- Kosten: Chargeprice finanziert sich laut Store-Eintrag über ein Premium-Abo (2,99 € im Monat bzw. 29,99 € im Jahr im deutschen App Store, Stand 06.10.2026). Elunio ist ohne Abo nutzbar, zeigt Werbung und bietet ein optionales Pro-Paket.
Was Chargeprice kann
Chargeprice versteht sich laut App-Store-Beschreibung als Preisvergleich für das Laden in Europa. Die App stellt die Preise vieler Ladenetze und Tarife gegenüber, kann nach eigenen Zahlungskarten filtern, zeigt laut Beschreibung Echtzeit-Verfügbarkeit an und bringt eine Routenplanung mit Optimierungsmodi mit. Dazu kommen Fotos und Angaben zu Einrichtungen in der Umgebung. Im Play-Store-Eintrag wird außerdem Transparenz bei Blockiergebühren genannt; dort ist auch vermerkt, dass die Gratis-Version Werbung enthält und das Premium-Abo sie entfernt. Mehrere Fahrzeuge gehören laut App-Store-Eintrag zum Premium-Umfang.
Die Stärke dieses Ansatzes liegt auf der Hand: Wer mehrere Ladekarten besitzt oder sich eine neue zulegen will, sieht auf einen Blick, welche Karte an welcher Säule günstiger ist. Im App Store steht die App bei 4,6 Sternen aus 2.322 Bewertungen, bei Google Play bei 4,1 Sternen aus rund 1,4 Tausend Bewertungen (jeweils Stand 06.10.2026). In den Bewertungen loben Nutzer vor allem die Preistransparenz. Kritisch äußern sich einzelne Nutzer zu fehlenden Tarifanbietern, zur Notwendigkeit des Abos für Gelegenheitsnutzer und zu Oberflächen-Änderungen – das sind Einzelstimmen und kein repräsentatives Bild.
Was Elunio kann – und was nicht
Elunio setzt an einer anderen Stelle an. Die Stationsdaten kommen aus offenen Quellen, und an jeder Station können Fahrer den Preis melden, den sie tatsächlich pro kWh bezahlt haben. Angezeigt wird der Durchschnitt aus bis zu 20 Meldungen der letzten 180 Tage, zusammen mit der Zahl der Meldungen und dem Alter der jüngsten. Seit heute kann man bei einer Preismeldung optional auch die Blockiergebühr in ct pro Minute angeben (0 für „keine"); an der Station erscheint dann der Mittelwert der gemeldeten Werte.
Dazu zeigt Elunio für einige Betreiber einen Richtpreis für das Spontanladen (Stand August 2026) und, wo wir eine geprüfte Quelle haben, eine konkrete Kartenempfehlung: derzeit für EnBW, Ionity, Aral pulse, Shell Recharge und Fastned. Bei Fastned etwa lag der Ad-hoc-Preis in Deutschland seit dem 1. April 2026 laut electrive.net bei 69 ct/kWh, das Gold-Abo bei 48 ct/kWh plus 11,99 € im Monat. Mit „Ich habe diese Karte" kann man eine Empfehlung als vorhanden markieren; diese Auswahl wird nur lokal auf dem Gerät gespeichert.
Wichtig sind auch die Grenzen, und die nennen wir offen:
- Elunio ist kein Tarifvergleich über alle Ladekarten. Die Richtpreise und Kartenempfehlungen sind eine kleine, von Hand gepflegte Tabelle und decken nur wenige Betreiber ab.
- Community-Preise sind nur so gut wie die Zahl der Meldungen. Liegt an einer Station keine Meldung vor, zeigt Elunio nur den Listenpreis aus den Stationsdaten.
- Echte Live-Belegung gibt es in Elunio derzeit nur für Baden-Württemberg; sonst beruht der Status auf Community-Meldungen. Mehr dazu im Artikel Woher der Live-Status von Ladesäulen kommt.
Die beiden Apps im Vergleich
| Kriterium | Chargeprice | Elunio |
|---|---|---|
| Kernfrage | Welche Karte oder welcher Tarif ist hier am günstigsten? | Was zahlen Fahrer hier tatsächlich – und wie aktuell ist das? |
| Preisbasis | Tarife je Ladekarte und Netz | Listenpreis, Community-Meldungen, Richtpreis für Spontanladen bei einigen Betreibern |
| Eigene Ladekarten | Filter nach den eigenen Zahlungskarten | Markierung „Ich habe diese Karte" bei der Kartenempfehlung, nur lokal gespeichert |
| Blockiergebühr | laut Play-Store-Beschreibung transparent dargestellt | optional von Fahrern gemeldet, Mittelwert an der Station |
| Kosten | Gratis-Version mit Werbung, Premium 2,99 €/Monat oder 29,99 €/Jahr (App Store DE) | ohne Abo nutzbar, mit Werbung, optionales Pro |
Wann welche App sinnvoll ist
Vor der Karte: Wenn du dich fragst, welche Ladekarte sich für dein Fahrverhalten lohnt, ist ein Tarifvergleich wie Chargeprice das passende Werkzeug. Unseren eigenen Überblick findest du im Ladekarten-Vergleich 2026.
Vor Ort: Wenn du an einer bestimmten Säule stehst oder sie ansteuern willst, hilft die Frage, was dort zuletzt tatsächlich bezahlt wurde und ob es Hinweise auf Blockiergebühren gibt. Listenpreise und Praxis weichen vor allem bei Roaming-Tarifen oft voneinander ab; deshalb lohnt der Blick auf beide Quellen.
Beides kombinieren: Viele Fahrer nutzen eine Tarif-App zur Entscheidung über Karten und Verträge und eine Karten-App mit Community-Daten für den Alltag unterwegs. Einen Überblick über weitere Apps gibt unser Artikel Elunio, PlugShare, Chargemap, ABRP: Was ist der Unterschied?.
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Ersetzt Elunio einen Tarifvergleich wie Chargeprice?
Nein. Elunio vergleicht nicht die Tarife aller Ladekarten. Die App zeigt Listenpreise, Community-Meldungen und für einige Betreiber Richtpreise und Kartenempfehlungen.
Warum kann der tatsächlich bezahlte Preis vom Tarifpreis abweichen?
Möglich sind zum Beispiel Preisänderungen des Betreibers, Aufschläge für Roaming, Grundgebühren oder Rabatte, die in einer Einzelmeldung nicht sichtbar sind. Deshalb zeigt Elunio bei Community-Preisen die Zahl und das Alter der Meldungen an.
Werden meine Ladekarten an Elunio übertragen?
Nein. Die Markierung „Ich habe diese Karte" wird ausschließlich im Browser bzw. in der App auf deinem Gerät gespeichert.
Fazit
Chargeprice beantwortet vor allem die Frage nach dem günstigsten Tarif, Elunio die Frage nach dem Preis in der Praxis an einer konkreten Säule. Beide Sichten haben Grenzen: Tarifdaten können an der Realität vorbeigehen, und Community-Preise sind nur so verlässlich wie die Zahl der Meldungen. Wer beide kennt, trifft seine Ladeentscheidung auf breiterer Grundlage.
Quellen: Chargeprice im App Store (DE), abgerufen 06.10.2026 · Chargeprice bei Google Play, abgerufen 06.10.2026 · electrive.net, 24.03.2026: Fastned senkt Ad-hoc-Ladepreis in Deutschland auf 69 Cent/kWh · Elunio-Funktionsstand 06.10.2026