Deutschlandnetz an der Autobahn 2026: 100 Ladeparks am Netz – Stand, Betreiber, Preise
📅 Veröffentlicht am 13. Oktober 2026
Stand der Angaben: 13.10.2026. Grundlage sind Berichte von ecomento.de, drweb.de, elektroquatsch.de und electrive.net (Quellen am Ende). Zahlen zum Ausbaustand ändern sich laufend; Preise ändern sich noch schneller – prüfe sie vor Ort.
Ende September 2026 ging an der A81 in Richtung Stuttgart der 100. Deutschlandnetz-Schnellladepark an einem unbewirtschafteten Autobahnrastplatz in Betrieb. Das ist die Halbzeit des Autobahnteils des Programms – und ein guter Anlass, nüchtern nachzuzählen: Was ist das Deutschlandnetz, wer betreibt die Standorte, wie schnell geht der Ausbau voran, und was wissen wir (und was nicht) über die Preise?
Wichtig vorab: Dieser Artikel ersetzt keine Live-Information zu einzelnen Säulen. Er ordnet die Meldungen ein und zeigt, was sie für die Planung einer Langstrecke bedeuten. Zur Lage an bestehenden Raststätten und Autohöfen lies auch unseren Artikel zum ADAC-Test zum Laden an der Autobahn.
Was ist das Deutschlandnetz?
Das Deutschlandnetz ist ein Förderprogramm des Bundesverkehrsministeriums. Private Unternehmen bauen und betreiben im Auftrag des Bundes rund 9.000 zusätzliche Schnellladepunkte. Nach den Angaben in den Berichten sind davon etwa 900 Standorte in Städten und im ländlichen Raum vorgesehen („Regionallose“) sowie etwa 200 Standorte an unbewirtschafteten Autobahnrastplätzen („Autobahnlose“) mit zusammen rund 1.000 Ladepunkten. Der Bund investiert laut drweb.de rund 2,3 Milliarden Euro. Ziel ist, Lücken zu schließen, in denen sich ein rein kommerzieller Ausbau bisher weniger lohnte.
Eine Unstimmigkeit in den Berichten: Ecomento und elektroquatsch sprechen von „mehr als 1.000 Standorten“ insgesamt, der Fließtext bei drweb nennt rund 900 plus 200 Autobahnstandorte – das passt zusammen, wenn man beide Gruppen addiert. Wir verwenden deshalb keine exakte Gesamtzahl der Standorte, sondern nur die Größenordnung.
Die vier Betreiber der Autobahnlose wurden laut electrive.net im Februar 2024 bestimmt: Fastned, E.ON, TotalEnergies und Autostrom. Der erste Autobahn-Standort ging nach derselben Quelle im November 2024 am Depenauer Moor an der A21 in Betrieb (Autostrom Plus). Wichtig zur Abgrenzung: Das Deutschlandnetz betrifft unbewirtschaftete Rastplätze ohne Tankstelle. An bewirtschafteten Raststätten mit Tankstelle gilt ein anderes Regime – dort hat das Oberlandesgericht Düsseldorf am 6. März 2026 entschieden, dass für Schnellladesäulen ein Vergabeverfahren nötig ist (Einordnung im Artikel zum ADAC-Test).
Der 100. Standort: A81, Räthisgraben
Der 100. Autobahn-Ladepark liegt laut ecomento.de und elektroquatsch.de auf der unbewirtschafteten Rastanlage Räthisgraben an der A81 in Fahrtrichtung Stuttgart in Baden-Württemberg. Betreiber ist E.ON Drive Infrastructure. Die Anlage hat sechs Ladepunkte mit jeweils bis zu 400 kW. Eröffnet wurde sie laut ecomento von Bundesverkehrsminister Steffen Bilger; drweb nennt den 28. September 2026 als Inbetriebnahme.
Zur Ladezeit: Die Autobahn GmbH gibt an, dass ein Mittelklassewagen dort in zehn Minuten Strom für 300 bis 500 Kilometer Reichweite laden kann. Das ist eine Bestwert-Aussage. Elektroquatsch weist ausdrücklich auf die Annahmen hin: ein schnellladefähiges Fahrzeug, niedriger Ausgangsladestand, passende Batterietemperatur und eine günstige Ladekurve; 800-Volt-Fahrzeuge können hohe Leistung typischerweise besser nutzen. Für dein Auto gilt: Die 400 kW sind das, was die Säule abgeben kann – nicht das, was dein Fahrzeug aufnimmt. Warum das so ist, erklärt kW, kWh und Ampere erklärt.
Bezahlt werden kann laut den Berichten mit gängigen Ladekarten sowie mit Debit- und Kreditkarte; ein vorheriger Ladevertrag ist nicht nötig. Das passt zur Ad-hoc-Idee der AFIR – mehr dazu im Artikel zur AFIR-Kartenzahlung. Preise nennen die von uns geprüften Berichte zum 100. Standort nicht.
Wie schnell geht der Ausbau voran?
Laut drweb.de waren im Oktober 2025 an der Autobahn 25 Deutschlandnetz-Standorte in Betrieb und 58 im Bau. Mit dem 100. Standort sind seither 75 hinzugekommen – gut sechs pro Monat. Das ist ein deutliches Tempo, aber nicht das ursprüngliche Ziel: Das Netz sollte nach drweb Ende 2026 fertig sein. Rechnet man das bisherige Tempo fort, fehlen noch rund 100 Standorte, was grob 16 Monate dauern würde – also etwa Frühjahr 2028. Das ist eine Hochrechnung von drweb, keine offizielle Prognose; Bauzeiten schwanken mit Netzanschlüssen und Genehmigungen.
Zum Abgleich mit älteren Angaben: In unserem ADAC-Artikel nennen wir ein Regierungsziel von rund 1.000 neuen Schnellladepunkten bis Ende 2026 (laut netzwelt). Dieses Datum ist nach den aktuellen Zahlen kaum zu halten. Wer seine Reisen für Winter 2026/27 plant, sollte also nicht davon ausgehen, dass alle 200 Standorte schon verfügbar sind.
Was die Zahlen für deine Route bedeuten
Hundert Standorte sind für ein Land mit mehreren tausend Autobahnkilometern ein spürbarer Beitrag, aber noch keine flächendeckende Lösung. Aus den Meldungen lassen sich drei praktische Punkte ableiten (Schlussfolgerungen aus den Zahlen, keine Garantien):
1. Viele Standorte, wenige Ladepunkte je Standort. Der typische Autobahnstandort hat nach den Programmzahlen rund fünf Ladepunkte im Schnitt (1.000 Punkte an 200 Standorten); der 100. Standort hat sechs. Wenn zu Ferienzeiten mehrere Fahrzeuge gleichzeitig ankommen, kann es Wartezeit geben – elektroquatsch merkt an, dass sechs Ladepunkte ein solider Start sind, aber die Zuverlässigkeit bei hohem Reiseverkehr offen bleibt.
2. Hohe Leistung, aber nur, wenn dein Auto mitspielt. Mit bis zu 400 kW pro Ladepunkt sind die neuen Standorte für schnellladefähige Autos ausgelegt. Fahrzeuge mit niedriger maximaler Ladeleistung profitieren kaum; sie laden dort nicht wesentlich schneller als an einer 150-kW-Säule.
3. Ein Plan B bleibt Pflicht. Die Standorte sind neu, aber nicht frei von Störungen. Notiere dir vor der Abfahrt mindestens einen zweiten Standort in Reichweite. Weitere Tipps stehen in den E-Auto-Roadtrip-Tipps.
Preise: Was bekannt ist und was nicht
Einen einheitlichen Deutschlandnetz-Preis gibt es nach unseren Quellen nicht; die Betreiber setzen ihre Preise selbst. Zwei belegte Datenpunkte als Anhaltspunkte, nicht als Garantie für einen bestimmten Standort:
E.ON, A7 Wolfsgrund West (Juli 2025): Laut electrive.net lag der Ad-hoc-Preis ohne Registrierung bei 0,73 €/kWh; für die ersten drei Monate gab es einen Einführungspreis von 0,59 €/kWh. Das ist ein Preis vom Eröffnungszeitpunkt – heutige Preise können abweichen.
Fastned (ab 1. April 2026): Der Ad-hoc-Preis in Deutschland sank laut electrive.net von 73 auf 69 ct/kWh; für App-Nutzer mit hinterlegter Debit- oder Kreditkarte von 65 auf 62 ct/kWh; mit der Gold-Mitgliedschaft (11,99 € pro Monat) von 51 auf 48 ct/kWh. Begründung des Anbieters: der temporäre Netzentgeltzuschuss des Bundes für 2026 (6,5 Milliarden Euro), der im Schnitt etwa 2 ct/kWh bringen soll. Ob es 2027 einen ähnlichen Zuschuss gibt, ist laut dem Bericht offen. Fastned ist einer der vier Autobahnlos-Betreiber; die genannten Preise sind die Netzpreise des Anbieters – ob sie an jedem einzelnen Deutschlandnetz-Standort identisch sind, geht aus dem Bericht nicht hervor.
Was die Differenz in Euro bedeutet, lässt sich aus diesen Zahlen nachrechnen. Beispiel: 40 kWh nachladen. Bei 0,73 €/kWh kostet das 29,20 €, beim damaligen Einführungspreis von 0,59 €/kWh 23,60 € – 5,60 € Unterschied. Bei Fastned zahlst du für 40 kWh ad hoc 27,60 € (0,69 €/kWh) und mit Gold 19,20 € (0,48 €/kWh), also 8,40 € weniger. Die Gold-Gebühr von 11,99 € pro Monat lohnt sich gegenüber dem Ad-hoc-Preis rechnerisch ab etwa 58 kWh im Monat (11,99 € ÷ 0,21 €/kWh ≈ 57,1 kWh), gegenüber dem App-Preis von 62 ct erst ab etwa 86 kWh (11,99 € ÷ 0,14 €/kWh ≈ 85,6 kWh). Das gilt nur, wenn du ohnehin regelmäßig bei diesem Anbieter lädst. Mehr zu Tarifmodellen findest du bei Autostrom-Tarife unterwegs und im Ladekarten-Vergleich 2026.
Wichtig: Der Ad-hoc-Preis ist oft der höchste. Wer kurz vor der Fahrt eine Ladekarte oder App einrichtet, spart häufig – aber nicht jeder Anbieter ist an jedem Standort günstiger. Gerade bei neu eröffneten Standorten ändern sich Preise und Einführungsaktionen schnell. Deshalb ist der Preis, den andere Fahrer zuletzt tatsächlich gezahlt haben, oft ein besserer Anhaltspunkt als ein Listenpreis – warum, steht in Community-Preise vs. Listenpreise.
Wie Elunio dabei helfen kann – und wo die Grenzen liegen
Elunio zeigt Ladestationen auf Karte und Liste, filtert nach Leistung und Preis und blendet Preise ein, die andere Fahrer an einer Station gemeldet haben. Die Datenlage ist regional unterschiedlich: Die beste Live-Abdeckung gibt es in Baden-Württemberg (Live-Belegung über MobiData BW) und im DACH-Raum; anderswo basiert der Status auf Community-Meldungen und ist nicht lückenlos. Ob ein brandneuer Standort wie ein frisch eröffneter Ladepark bereits in den zugrunde liegenden Datenquellen eingetragen ist, können wir nicht garantieren – neue Standorte können mit Verzögerung auftauchen. Einzelheiten dazu im Artikel zum Live-Status von Ladesäulen. Wenn du an einem neuen Standort geladen hast, hilft eine gemeldete Preisangabe den nächsten Fahrern.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das Deutschlandnetz?
Ein Bundesprogramm, mit dem private Betreiber rund 9.000 zusätzliche Schnellladepunkte bauen – etwa 900 Standorte regional und etwa 200 an unbewirtschafteten Autobahnrastplätzen.
Wie viele Autobahn-Standorte sind in Betrieb?
Mit dem 100. Standort an der A81 (Räthisgraben, Fahrtrichtung Stuttgart) laut drweb.de, Stand 29. September 2026, die Hälfte der geplanten 200.
Wann ist das Netz fertig?
Ursprünglich war Ende 2026 vorgesehen. Bei gleichem Tempo ergibt eine Hochrechnung von drweb etwa Frühjahr 2028; eine offizielle neue Terminangabe haben wir in den geprüften Berichten nicht gefunden.
Kann ich dort mit Karte bezahlen?
Nach den Berichten zum 100. Standort ja – mit Lade-, Debit- und Kreditkarte, ohne vorherigen Vertrag. Prüfe es aber an der Säule, bevor du dich darauf verlässt.
Was kostet das Laden dort?
Das hängt vom Betreiber ab. Bekannte Datenpunkte: 0,73 €/kWh ad hoc bei E.ON (A7, Juli 2025) und 0,69 €/kWh ad hoc bei Fastned seit April 2026. Aktuelle Preise stehen an der Säule bzw. in der Betreiber-App.
Fazit
Mit 100 von 200 geplanten Autobahn-Ladeparks ist das Deutschlandnetz an der Halbzeit, aber noch nicht am Ziel – und der ursprüngliche Zeitplan für Ende 2026 dürfte verfehlt werden. Für die Praxis heißt das: Die neuen Standorte sind eine gute Ergänzung für schnellladefähige Autos, ersetzen aber keine Planung mit Alternativen und keinen Preisvergleich vor dem Start.
Quellen: ecomento.de – „Verkehrsminister eröffnet 100. Deutschlandnetz-Schnellladepark an der A81“ (29.09.2026) · drweb.de – „Deutschlandnetz Autobahn-Ladeparks: Halbzeit“ (Stand 29.09.2026) · elektroquatsch.de – „Deutschlandnetz: 100 Autobahn-Ladeparks, A81“ · electrive.net – „Deutschlandnetz: Erster E.ON-Ladepark an der Autobahn am Netz“ (29.07.2025) · electrive.net – „Fastned senkt Ad-hoc-Ladepreis in Deutschland auf 69 Cent/kWh“ (24.03.2026) · auto-motor-und-sport.de und ecomento.de zum OLG-Düsseldorf-Beschluss vom 06.03.2026 (siehe ADAC-Artikel)